Im Fachforum "Marktzugang und Best Practice" analysieren wir Produkte, die sich erfolgreich am Markt etabliert haben – mit Fokus auf Erfolgsfaktoren wie Materialwahl, Preisgestaltung und Marktpositionierung. Die Analyse reicht dabei von den Faktoren für eine erfolgreiche Markteinführung bis hin zu Recycling bzw. der Behandlung am Lebensende. Weitere Fragestellungen thematisieren die Akzeptanz biobasierter Werkstoffe bei Verarbeitern sowie die Identifikation geeigneter Herstellungsbereiche und relevanter Märkte.

Dr. Viktor Klein
Referent | Forschung und Projektentwicklung
+49 151 445 745 31 | viktor.klein@umweltcluster.net
Am 3. März 2026 fand das zweite Treffen des vom Umweltcluster Bayern geleiteten Fachforums „Marktzugang und Best Practices“ im Rahmen des CREATE-Netzwerks statt. Die online durchgeführte Veranstaltung knüpfte mit einem kurzen Rückblick an das erste Symposium an und widmete sich der Frage, unter welchen Bedingungen der Einsatz von biobasierten Materialen wie beispielsweise Biokunstoffen in Produkten erfolgreich ist und wie diese Produkte langfristig am Markt platziert werden können.
Im Mittelpunkt standen zwei Praxisbeispiele aus der Industrie. Marian Anton (MANN+HUMMEL GmbH) stellte die Nachhaltigkeitsstrategie der Marke MANN-FILTER vor. Er erläuterte, wie durch den Einsatz von natürlichem Lignin aus Holz als Imprägnierung für Filtermedien erdölbasierte Rohstoffe ersetzt und der CO₂-Fußabdruck reduziert werden konnten.
Anschließend präsentierte Clemens Sachse (edding International GmbH) die Entwicklung der umweltfreundlicheren „EcoLine“. Am Beispiel des Textmarkers edding 24 zeigte er, wie durch den kontinuierlichen Einsatz von Post-Consumer-Rezyklaten, Bio-PE und Holzfasern ein Produkt etabliert wurde, das innerhalb des Sortiments – auch dank des Umweltzeichens Blauer Engel - eine wichtige Stellung einnimmt.
Im Rahmen eines Werkstattmodus wurde eine strukturierte Analyse durchgeführt, bei der die beiden Praxisbeispiele anhand eines Rasters aus vier Leitfragen bewertet wurden. Durch dieses methodische Vorgehen konnten Faktoren untersucht werden, welche die Markteinführung biobasierter Kunststoffe beeinflussen. Es wurde deutlich, dass ökologische Merkmale allein meist nicht als Kaufargument genügen und idealerweise durch funktionale Vorteile wie eine bessere Haptik oder technische Mehrwerte ergänzt werden. Bei der Preisgestaltung wurden verschiedene Ansätze betrachtet, die entweder auf eine Positionierung im Premiumsegment oder auf eine interne Verrechnung von Mehrkosten setzen. Kommunikation sollte dabei auf Transparenz und Sachlichkeit basieren, um Vorbehalte gegenüber der Materialqualität zu verringern. Als relevante administrative Rahmenbedingungen wurden zudem Zertifizierungsverfahren sowie die rechtliche Absicherung gegen Vorwürfe des Greenwashings benannt.
Ein Thema der Runde außerhalb der Leitfragen war der Wunsch nach einer vereinfachten Einordnung der Nachhaltigkeit für Endverbraucher, vergleichbar mit Energieeffizienzklassen bei Haushaltsgeräten. Es wurde angemerkt, dass entsprechende regulatorische Entwürfe wie die Verordnung über die umweltgerechte Gestaltung nachhaltiger Produkte (ESPR) bereits in Arbeit sind, die Umsetzung aufgrund der Komplexität der Kriterien jedoch schwierig bleibt.
Ergänzt wurde das Programm durch Franziska Seehausen (Comat Studio), die einen „Call for Participation“ für einen geplanten Brand & Innovation-Sprint vorstellte. Das Format richtet sich an Akteure, die Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen mit Erklärungsbedarf gezielt weiterentwickeln und am Markt positionieren möchten. Wenden Sie sich bei Interesse gerne an die Forenleitung.
Am 10. November 2025 fand das erste Treffen des vom Umweltcluster Bayern geleiteten Fachforums „Marktzugang und Best Practice“ im Rahmen des CREATE-Symposiums „Kunststoffe in Zeiten der Bioökonomie“ am SKZ statt. Die Sitzung eröffnete Dr. Viktor Klein (UCB) mit einer kompakten Einführung zu Zielsetzung, Erwartungen und Arbeitsweise des Forums. (Die Präsentation ist für Teilnehmende verfügbar über die CREATE Fachforen-Cloud.)
Ein Schwerpunkt des Treffens lag auf konkreten Praxisbeispielen: Martin Lichtl (.licht Ethics & Brands GmbH) stellte den biobasierten BiOTONi als Fallstudie für die Entwicklung und Markteinführung nachhaltiger Sammelbehälter vor. Anschließend präsentierte die Universität Augsburg die Ökobilanz des biobasierten Produkts und gab einen Einblick in die methodischen Grundlagen und Ergebnisse. Die zugrunde liegende Publikation ist auf der Website der Universität Augsburg abrufbar.
Im fachlichen Austausch wurden zentrale Fragen der Materialwahl, der kommunikativen Positionierung sowie der Relevanz ökologischer Leistungskennzahlen für den Marktzugang erörtert. Die intensive Diskussion zeigte, dass insbesondere Transparenz, methodische Vergleichbarkeit und belastbare Daten für Akteure der Branche entscheidende Faktoren sind.
Zum Abschluss bündelten die Teilnehmenden ihre Erwartungen an die weitere Arbeit des Forums. Genannt wurden der Wunsch nach Einblicken in aktuelle Marktstudien, vertiefende Diskussionen zu Anwendungsfeldern und Geschäftsmodellen sowie eine Endkund*innenbefragung zu Wahrnehmung und Akzeptanz von Biokunststoffen.



Das Fachforum „Marktzugang und Best Practice“ des Umweltcluster Bayern bietet Forschungseinrichtungen und Innovationstreibern eine Plattform, um zentrale Fragestellungen rund um Vermarktungsmöglichkeiten biobasierter Materialien, aktuelle Marktentwicklungen oder Einstiegshürden gemeinsam zu bearbeiten. Wir laden alle Interessierten ein, ihre Expertise und Herausforderungen einzubringen, neue Impulse zu setzen und die thematische Ausrichtung der kommenden Treffen aktiv mitzugestalten. Ob "Best Practice", "Lessons Learned" oder die Diskussion neuer Chancen - das Fachforum lebt vom offenen Austausch und der Bereitschaft zur Zusammenarbeit.
Wer sich beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen, Teil dieses Fachforums zu werden und die Entwicklung biobasierter Polymere im Netzwerk aktiv mit voranzutreiben.